Wie du dein Kind dazu bringst, mit dir zu kooperieren! Äh… dir zu gehorchen!

Wie du dein Kind dazu bringst, mit dir zu kooperieren! Äh… dir zu gehorchen!

“Wie du dein Kind dazu bringst, mit dir zu kooperieren!” Oft lesen wir auf Social Media und Ratgeberseiten die schnellen Tipps dafür! Meine Meinung? Ich finde diesen und ähnliche Sätze zum davonlaufen wenn es darum geht, mit Kindern friedvoll und auf Augenhöhe zu leben.

Nicht weil ich nicht den Wunsch vieler Eltern darin sehen kann, dass es doch bitte einfach mal leicht sein soll! Ja, ich sehe dich! Die große Not, die damit verbunden ist. Weil es oft einfach verdammt hart ist allein oder stundenweise mal zu zweit den Alltag mit Kind und Co zu wuppen. Glaub mir: ich sehe dich und I feel you!

Mir geht es nicht um den Wunsch, dass es doch bitte mal einfach sein soll!

Sondern weil von vielen Ratgebenden etwas in die Welt gesät wird, das den Eltern den Eindruck vermittelt, es braucht nur dieses und jenes und schon macht das Kind mit. Dann läuft der Alltag easy von der Hand. Dabei gehen diese schematischen Anleitungen, die von kindlichen Bedürfnissen handeln sollen, leider im Kern sowas von krass dran vorbei.

Oft wird suggeriert, es braucht nur die Erfüllung eines Bedürfnisses, wie z.B. Sicherheit. Und schon klappt das mit der Kooperation. Die Eltern müssen nur dafür sorgen. Und schon tut das Kind, was wir uns wünschen. Juhu!

Ach, wenn es denn so einfach wäre!

Die Idee dahinter: Kinder haben den tiefen Wunsch, ihren Eltern zu gefallen. Also müsse man ja nur für die Erfüllung von Bedürfnissen auf der einen Seite sorgen, damit das Kind dann schwuppdiwupp auf der anderen Seite wie von Zauberhand kooperiert.

Letztens erst wieder gelesen: “Dein Kind braucht Sicherheit, um kooperieren zu können.”

Was für ein Quatsch. Menschliche Gefühle und Bedürfnisse kann man nie so in einen kausalen Zusammenhang stellen.

Ja, klar ist es wichtig, die Bedürfnisse der Kinder nach Sicherheit und Verbindung zu erfüllen. 

Aber da können wir uns doch keinen fixen Outcome draus erwarten! Ein vorhersehbares, bestimmtes Verhalten, das das Kind dann an den Tag legt. So wie wir es haben wollen.

Denn Kinder haben genauso das Bedürfnis nach Autonomie! Und dieses Bedürfnis muss das Kind zurückstellen, wenn es kooperieren soll! Sprich, im Endeffekt nichts anderes tun soll, als das, was die Eltern wollen und erwarten. 

Leute, das ist, um es klar auszusprechen, nix anderes als Gehorsam! 

Denn wenn es um wirkliche Kooperation ginge, dann würde das Kind es ja freiwillig machen. Und es bräuchte keine Anleitung  “wie du dein Kind zur Kooperation bringst”.

Wenn nun diese Erwartung aufgestellt wird: “Dein Kind muss sich nur sicher genug fühlen, dann wird es auch kooperieren, weil es ja den Eltern folgen will”. Dann finde ich das einen völlig falschen Blick auf Bedürfnisorientierung!

Außerdem haben am Ende einzig und allein die Eltern das Gefühl, versagt zu haben, wenn Schritt 1 nicht automatisch zu Schritt 2 führt.

Nebenbei bekommt das Kind nen riesen Druck aufgebürdet. Es soll es den Eltern damit leicht machen, damit sie sich zufrieden fühlen. Und auf Instagram und Co. steht ja, dass es so funktioniert. Warum macht das Kind also dann nicht mit? Warum kann das Kind nicht einmal tun, was ich sage?!

Ja, ich verstehe die grundsätzliche Idee, dass Kinder Teamplayer sind und den Wunsch haben, mit den Eltern zu kooperieren. Ich mag jedoch das Wort in dem Zusammenhang nicht. Sie wollen sich verbunden fühlen. Das trifft es in meinen Augen mehr. 

Und genauso wie sie die Verbindung mit den Eltern spüren wollen, wollen sie die Verbindung zu sich selbst spüren!! Ihre eigene Autonomie und Selbstwirksamkeit ausleben. Und dieses Bedürfnis ist von Kind zu Kind unterschiedlich. 

Das Bedürfnis nach Autonomie und das nach Verbundenheit mit den Eltern konkurrieren an dieser Stelle miteinander.

“Erfülle deinem Kind Bedürfnisse und keine Wünsche!” geht am Kind vorbei!

Autonomie ist nicht gleich Autonomie. Hier wird auch oft versucht zu suggerieren, dass man das Bedürfnis nach Autonomie auf beliebige Weise erfüllen kann. Oft wird behauptet: “Erfülle deinem Kind Bedürfnisse und keine Wünsche!”

Diesen Ansatz finde ich furchtbar. Weil er in meinen Augen Adultismus (sprich die Diskriminierung von Menschen auf Grund ihres Alters) befeuert und vollkommen am Kind vorbei geht!

Ja, es steckt hinter jedem Wunsch, ja hinter jedem Gefühl, ein Bedürfnis! Aber wer sind wir, um als Eltern, darüber bestimmen zu können, wie unsere Kinder sich das zu erfüllen haben??! Welche Strategie sie dafür wählen dürfen!

Was dann oft passiert, sieht ungefähr so aus: Das Kind “braucht” Autonomie. Es will Süßigkeiten haben, aber es darf keine essen, denn das wäre ja “nur ein Wunsch”! Weil ja aber das Bedürfnis nach Autonomie erfüllt werden soll, darf das Kind entscheiden, ob es nen Apfel oder ne Birne essen will.

Alter Verwalter, mir brennt der Hut. Ich würde durch die Decke gehen, wenn jemand so mit mir umgehen würde. Das Kind vermutlich auch – wäre ihm nicht zu verdenken! Es spürt die Macht der Eltern und die eigene Ohnmächtigkeit.

Ja, oft gibt es verschiedene Strategien, um sich ein Bedürfnis zu erfüllen. Manchmal stehen verschiedene Wege zur Auswahl. Und wir Erwachsenen können auf eine viel breitere Palette zurückgreifen, wenn es darum geht, uns Bedürfnisse zu erfüllen.

Kinder können das, auf Grund ihrer fehlenden Fähigkeit umplanen zu können, einfach noch nicht in diesem Umfang wie wir! 

Was mit dem Statement  “Erfülle Bedürfnisse und keine Wünsche” oft noch gleichgesetzt wird? Das mit dem Kind was nicht stimmt, wenn es dann trotzdem wütend wird. Es wird unterschwellig die Botschaft vermittelt, dass das Kind dann damit zufrieden sein muss. Weil, es wurde ja auf das Bedürfnis eingegangen. 

Und das wiederum öffnet Tür und Tor für Machtkämpfe. Denn wie fühlt man sich denn als Elternteil, wenn man diese einfache Formel umsetzt und dann ein tobendes Kind vor sich hat? Das die Ungerechtigkeit viel mehr spürt als viele Erwachsene!

Ja, genau, wir fühlen uns hilflos! Und Hilflosigkeit ist der erste Schritt zu destruktivem Verhalten unseren Kindern gegenüber.

So abgeschweift, nun zurück zur Kooperation.

Ja, Kinder sind Teamplayer. Sie kooperieren mit allen (!) Situationen. Nur halt nicht immer so, wie die Erwachsenen es sich erhoffen. 

Sie müssen immer abwägen, ob sie nun dem Wunsch nach Verbindung mit den Eltern oder ihrem eigenen Drang nach Autonomie nachgeben! Immer!

Ganz so einfach ist das mit der “Kooperation” halt nunmal nicht. Ich verstehe, dass Eltern es gerne leicht und einfach haben wollen. Allerdings ist es das selten, wenn wir von komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen auf Augenhöhe ausgehen. Schon gar nicht nach Schema F. 

Ich fände es viel ehrlicher, da klar in der Kommunikation zu sein. Wenn du willst, dass dein Kind Zähne putzt, obwohl es keinen Bock hat, dann willst du, dass es gehorcht! Dann kannst du sagen: “Emil, es tut mir leid. Mir ist wichtig, dass du jetzt Zähne putzt. Du hast da jetzt keine Wahl. Wie können wir es angenehm machen.”

Statt vorher zu denken: “Oh jetzt lass ich mein Kind erstmal ganz viel selbst bestimmen. Und wenn wir dann Zähne putzen gehen, dann hat es genug Autonomie getankt, um in der Folge freiwillig kooperieren und schön den Mund aufmachen zu können.”

Oder der Empfehlung zu folgen “Mache klare Ansagen in kurzen Sätzen. Das gibt dem Kind Struktur und Sicherheit. Dann klappt das mit dem Zähneputzen 1a.”!

Klar kann das funktionieren. Aber nicht weil es kausal nach Schema F funktioniert. Sondern weil dein Kind gerade dazu bereit ist. 

An dieser Stelle hört Kooperation sich für mich immer ein Stück nach Manipulation und Gehorsam ab. Ziel ist es, dass das Kind tut, was die Eltern sagen. 

Oft habe ich den Eindruck, dass Erwachsene den Begriff Kooperation mögen, weil er so schön gewaltfrei klingt.

Die Frage ist nur: Ist es das in der jeweiligen Situation wirklich? Wenn ich mein Kind manipulieren will, ist das nicht gewaltfrei!

Natürlich ist das kein Aufruf dazu, die Bedürfnisse der Kinder zu ignorieren!

Und gleichzeitig gibt es andersherum keine Garantie: erfülle die Bedürfnisse und erwarte, dass dein Kind dann mitmacht!

Das ist für mich doch weit weg von wirklicher Bedürfnisorientierung. Das ist einfach mechanisch. Auch wenn ich es noch so freundlich verpacke.

Bedürfnisse werden in diesem Ansatz schnell instrumentalisiert. Eines gegen das andere aufgewogen. Und Kausalitäten hergestellt, wo es keine geben KANN. 

Weil Kinder Menschen sind. Und das Geflecht aus Gefühlen und Bedürfnissen ist weit komplexer, als zwei Bedürfnisse auf die Waage zu legen und zu erwarten, dass sie sich gegenseitig aufwiegen. Und ein gewünschtes Ergebnis dabei rauskommt. 

Ehrlich, ich kann den Wunsch der Eltern nach Leichtigkeit absolut nachvollziehen und fühlen! Wie oft denken wir uns denn “Kann das jetzt nicht mal einfach laufen?”. Weil wir ja eh schon so krass viel stemmen. Und jetzt steht dieser kleine Wutzwerg vor uns und wir könnten zum Himmel schreien “Warum ist es bloß so kompliziert?” “

Das Ding ist halt einfach: Manche Kinder brauchen deutlich mehr Autonomie als andere. High need, Hochsensibilität, Neurodivergenz, all das wird in der vereinfachten Gleichung “Bedürfnisserfüllung=Kooperation” schlicht nicht berücksichtigt.

Klar gibt es sowas wie nen “Bedürfnissentank”. Sagen wir mal ein Glas. Wenn das einfach komplett leer ist, dann geht nix mehr. Im Umkehrschluss heißt es aber nicht automatisch, dass ich in das Glas nur gewisse Zutaten (Bedürfnisse) geben muss, damit dann hinterher die fertige Kooperation auf dem Tisch serviert werden kann.

Bei Kindern, die einen sehr hohen Drang nach Autonomie haben, fragen sich genug Eltern “Was mache ich eigentlich falsch? Warum kooperiert mein Kind nicht?.

Und lesen dann, sie müssen nur die anderen Bedürfnisse erfüllen. Dann tut das Kind, was die Eltern von ihm brauchen.

Manchmal kommt auch der Gedanke auf, das Kind will nicht kooperieren. Und verweigert bewusst die Kooperation.

“Waaa, mein Kind kooperiert nicht! Was soll ich denn jetzt tun?” Wie soll man da als Eltern nicht verzweifeln? Wenn man doch immer wieder gesagt bekommt, wie einfach das doch ist.

Vielleicht sollten die Fragen eher lauten: 

    • Wie können wir besser verstehen, warum unsere Kinder nicht kooperieren und tun, was wir wollen?
    • Wie können wir es schaffen, nicht daran zu verzweifeln, wenn unsere Kinder morgens nicht in die Kita wollen oder was immer wir gerade brauchen? 
    • Wie können wir unseren Kindern die besten Absichten unterstellen, wenn sie gerade genau das Gegenteil von dem tun, was wir erwarten?

Es kann doch nicht das Ziel sein, dass Eltern dafür sorgen, dass der kindliche Bedürfnistank genug gefüllt ist, damit sie das Gefühl bekommen, das Kind tut freiwillig, was wir wollen/ verlangen. Und das ganze “Kooperation” nennen.

Wenn das Kind das nicht freiwillig macht, sondern ausschließlich für uns, dann erwarten wir keine Kooperation, sondern dass sie tun, was wir wollen. Das ist Gehorsam. 

Gehorchen klingt ja auch echt doof. Da denkt man doch gleich an die Generationen vor uns. Da klingt Kooperation gleich viel netter.

Im Endeffekt läuft es auf’s Gleiche hinaus. Das Ding ist: es geht, egal wie wir es nennen, jedes mal darum, was WIR wollen  und brauchen. Nicht, was das Kind will. 

Sonst würde es ja freiwillig mitmachen. Und die ganze Frage danach “wie bringe ich mein Kind dazu, zu kooperieren?”, würde sich in Wohlgefallen auflösen.

Es wäre ehrlicher, dir folgende Frage zu stellen, wenn dein Kind zu etwas nicht “nein” sagen darf: 

“Wie kann ich es meinem Kind erleichtern, mir zu gehorchen?”

Was bei der ganzen Sache mit der Kooperation und den Bedürfnissen einfach zu kurz kommt: Wenn ich Bedürfnisse instrumentalisiere, fehlt die Beziehung! 

Ja klar ist es wichtig, dass wir versuchen, die Bedürfnisse unserer Kinder so gut es geht zu erfüllen. Aber Erwartungen daran zu knüpfen, wenn die Bedürfnisse erfüllt wurden, hebelt aus meiner Sicht die Bedürfnisorientierung aus und macht sie zu einem Instrument für Gehorsam.

Klar kann ein Kind, das insgesamt ausgeglichen ist, auch in notwendigen Situationen eher seine eigenen Bedürfnisse zurückstellen und “mitmachen”. Im Gegensatz zu einem Kind, dessen Tank gerade eh schon leer ist. Aber es ist kein Allheilmittel, den Bedürfnistank zu füllen, damit das Kind dann tut, was man will – gezielt. Es ist keine Garantie!

Vielleicht, ganz vielleicht, ist es auch total unerlässlich, die eigene Erwartungshaltung an unsere Kinder zu überprüfen! Nur so ein Gedanke!

Was denkst du? Hinterlasse einen Kommentar oder schreibe mir an hallo@andreaberndt.de .

Du gehst da voll mit? Und stehst gleichzeitig da und fragst dich: Ja, wie bekomme ich das im Alltag gut hin? Ohne 0815! Damit du und dein Kind auf Augenhöhe Lösungen findet, die wirklich zu euch passen?

Und zwar ohne Drohungen ala “Wenn du jetzt nicht mitmachst, dann…!”

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Schimpfen, drohen, schreien: Wie du es schaffst, endlich auf Strafen zu verzichten!

Schimpfen, drohen, schreien: Wie du es schaffst, endlich auf Strafen zu verzichten!

“Wenn du jetzt nicht, ….. “

Wer kennt sie nicht – diese Wenn-Dann-Sätze? Die meisten heutigen Eltern sind damit aufgewachsen – und nicht wenige versuchen sich immer mehr davon zu lösen!

Zum Glück, wie ich finde! Denn das Strafen schaden, ist schon lange erforscht und bewiesen.

In diesem Blogbeitrag erfährst du alles wichtige rund um´s Thema Strafen – und nicht zu guter letzt, was du tun kannst, um schimpfen, drohen und laut werden, endlich hinter dir zu lassen!

Let´s go….!

At First: Was sind Strafen – und wie unterscheiden sie sich von Konsequenzen?

Strafen sollen das Kind dazu bringen, mit einem aus Erwachsenensicht unerwünschten Verhalten aufzuhören. Oder ein erwünschtes Verhalten an den Tag zu legen. Ziel des ganzen ist Gehorsam und den Willen des Kindes zu brechen.

Letztlich ist es eine fiese Art der Manipulation, um das Kind dazu zu bringen, sich so zu verhalten, wie Erwachsene es sich vorstellen.

Konsequenzen gehen übrigens in genau die gleiche Richtung. In der Verhaltenspädagogik wird hier oft einfach der Begriff ausgetauscht, weil es dann netter klingt. Die Mechanismen und Ziele dahinter sind jedoch identisch.

Nämlich dann, wenn die Konsequenz nicht natürlich, sondern künstlich herbeigeführt wird.

Beispiel:

Das Kind kippt am Tisch ein Glas Wasser um. Die natürliche Konsequenz daraus ist: Der Tisch ist nass. Das Glas ist leer. Punkt.

Die künstliche Konsequenz bzw. die daraus abgeleitete Strafe wäre schimpfen oder andere Maßnahmen wie: “Was hast du denn jetzt wieder gemacht! Das musst du jetzt aufwischen. Damit du mal lernst, besser aufzupassen!”

Klar endet in der natürlichen Konsequenz die Szene nicht, indem der nasse Tisch sich selbst überlassen wird. Alles gemächlich auf den Boden tropft und der nächste darin ausrutscht 😉

Sondern hier eröffnet sich der Raum für Beziehung. Zuerst einmal: Denkst du, dass du ärgerlich werden würdest? Wenn ja, dann solltest du hier genauer auf das Bedürfnis dahinter schauen. Vielleicht ärgert es dich, weil du jetzt mit dem Aufwischen zusätzliche Arbeit hast. Hier lohnt es sich auseinanderklamüsern, worum es dir dann eigentlich geht? 

Wünschst du dir vielleicht generell mehr Unterstützung und Leichtigkeit im Alltag? Bist du gerade wegen einer anderen Sache gestresst? Geht es dir nicht gut? Ja, das ist nachvollziehbar, dass dich dann ein umgekipptes Glas durchaus nerven kann. Aber hey – dein Kind kann nix für deinen Gemütszustand! 

Indem du dein Kind dazu zwingst, selbst den Putzlappen zu schwingen, leidet auf jeden Fall erstmal eure Beziehung. Und es kann leicht passieren, dass ihr damit dann am Rande einer Machtkampfspirale steht.

Was du tun kannst? “Oh mensch, jetzt ist das Glas ausgekippt. Ich bin gerade sehr ausgelaugt und müde. Hilfst du mir bitte kurz beim Aufwischen. Schau mal, ich mache den Tisch. Und du kannst super unter dem Tisch wischen. Da tu ich mir gerade schwer beim drunterkrabbeln. Einverstanden?”

Oder du machst es einfach sauber und fertig. Solche Dinge passieren mit Kindern einfach.

Wenn du dir generell mehr Unterstützung wünschst – dann schau für dich, welche Möglichkeiten es gibt. Nimm bitte nicht dein Kind in die Verantwortung, dir deine Bedürfnisse zu erfüllen. Klar, je älter die Kinder, umso leichter fällt es auch, sie bei manchen Dingen um Unterstützung zu BITTEN! Klar kann der 13-jährige da schon mal anders unterstützen als die 5-jährige. 

Wenn ich in diesem Artikel also von Strafen spreche, dann sind damit auch immer künstliche Konsequenzen gemeint.

Was sind die natürlichen Konsequenzen von Strafen (kleines Wortspiel;-)?

  • Sie verhindern, dass wir mit unseren Kindern in einen echten, beziehungsorientierten Kontakt kommen weil sie trennend wirken.
  • Die Beziehung kann belastet oder beschädigt werden. In jedem Fall muss sie viel aushalten, da sie von Angst anstatt von Vertrauen geprägt ist.
  • Ja, Strafen zeigen oft kurzfristig “Erfolg”. Heißt, im Außen scheint es wunderbar zu funktionieren. Dein Kind “kooperiert”. Daher ist es oft der leichteste Weg und manchmal verlockend, diesen zu gehen. Denn letztlich wird mit der Angst und Hilflosigkeit der Kinder gespielt. Sie haben gar keine andere Möglichkeit, als sich selbst aufzugeben, da sie uns gegenüber keine Machtposition haben und dem Druck ausgeliefert sind. Je jünger ein Kind, desto abhängiger ist es von den Eltern und es wird seine Integrität und Autonomie immer der Verbindung mit den Eltern unterordnen.
  • Oft scheint es, als hätten die Kinder “verstanden”, weil sie ihr Verhalten anpassen. Tatsächlich ist es jedoch so, dass die Kinder nicht verstehen, sondern sie lernen Angst vor der nächsten Strafe zu haben. Und es daher besser ist zu gehorchen. Das ist weit weg von echtem Verständnis über Gefühle, Bedürfnisse und zwischenmenschlichen Beziehungen.
  • Störendes Verhalten wird langfristig nicht verbessert, sondern im Gegenteil sogar verschlechtert. Schnell findet man sich mit dem Kind in einer Abwärtsspirale aus Machtkämpfen und Streit. Je älter ein Kind wird, umso weniger “funktionieren” Strafen, weil sich das Machtverhältnis zwischen Eltern und Kindern verändert. Spätestens im Teenageralter sind die Möglichkeiten begrenzt, weil die Macht der Eltern deutlich geringer ist. Und leicht kommt es dann sogar zu einer Eskalation von Konflikten.

Was sind die natürlichen Konsequenzen von Strafen (kleines Wortspiel;-)?

Strafen sind sehr perfide und gemein. Denn durch die Strafe entsteht beim Kind die Botschaft “Wenn ich dich strafe, dann geschieht dies zu deinem Besten”. Und das ist fatal! 

Kinder haben ein unermesslich großes Vertrauen in ihre Eltern. Sie sind immer davon überzeugt, dass das, was die Eltern tun, richtig ist. Kinder akzeptieren die durch Strafen getroffenen unlogischen und falschen Aussagen und machen sie zu ihrer Wahrheit.

Strafen sind für Kinder sehr schmerzhaft, da sie sich von ihren eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Gefühlen verabschieden müssen.

Da aus Sicht der Kinder, die Eltern aber richtig handeln und sie das Verhalten der Eltern nicht in Frage stellen, kann somit nur ihr eigenes Gefühl und ihr Schmerz falsch sein!

Kein Mensch würde es ertragen, dauerhaft mit diesem Schmerz zu leben. Übrigens werden bei emotionalen Schmerzen die gleichen Hirnareale aktiviert wie bei körperlichem Schmerz. Und somit lernt der Körper mit dem Schmerz zu leben und ihn auf Dauer nicht mehr so intensiv wahrzunehmen (wie bei chronischen körperlichen Schmerzen eben auch).

Damit geht eine emotionale Abstumpfung, eine Desensibilisierung einher. Die Kinder spalten sich von ihren Gefühlen ab. Die Folge: Mitgefühl, Empathie und die Fähigkeit, sich einzufühlen, werden weniger – sich selbst und anderen gegenüber!

Das zeigt sich im Erwachsenenalter dann in Sätzen wie “Das hat mir ja auch nicht geschadet!”. Oder wenn Menschen in Stress- oder Konfliktsituationen emotional kalt werden. Was wiederum eine gesunde Schutzreaktion des Körpers ist, die uns davor bewahrt, die damals unterdrückten Gefühle und den Schmerz plötzlich fühlen zu müssen.

Und in der Regel sind Eltern, die ihre Kinder strafen oder emotional kalt werden, in ihrer eigenen Kindheit selbst bestraft worden.

Und so dreht sich der Kreislauf immer weiter – bis Eltern anfangen, sich dem bewusst und mutig entgegenzustellen! Tschakka!!

Wenn das alles so doof ist, warum strafen Eltern dann überhaupt?

Eltern strafen nicht, weil sie schlechte Eltern sind oder nicht das beste für ihr Kind wollen. Oder gar, weil sie ihr Kind nicht lieben würden. Sondern:

⇒ Hilflosigkeit: Weil sie sich nicht anders zu helfen wissen, um mit dem Verhalten des Kindes umzugehen. 

⇒ Kontrollverlust: Durch ein entstehendes Ohnmachts-Gefühl bei den Eltern. Die Anwendung von Strafen gibt ihnen das Gefühl, die Situation beherrschen und kontrollieren zu können.

⇒ Erlernte und erfahrende Muster aus der eigenen Kindheit.

⇒ Weil sie die Emotionen der Kinder nicht aushalten können und es einfacher ist, das Verhalten durch die Androhung von Strafen “einfach weg zu machen” statt sich damit auseinanderzusetzen, was da im eigenen Körper eigentlich passiert.

⇒ Glaubenssätze z.B. “Aus dem Kind soll mal was werden!”, “Wenn es das jetzt nicht lernt, lernt es das nie!”

⇒ Druck von außen durch z.B. Großeltern, Lehrer:innen, Erzieher:innen, Nachbar:innen.

Was tun, wenn du ne Strafe angedroht hast und merkst, dass das doof war?

Ich glaube (nein, ich bin mir sicher), das passiert allen Eltern mal, dass sie ne Strafe androhen, obwohl sie das nicht wollen.

Dann steht man plötzlich vor der Frage: Durchziehen oder korrigieren?

Ich rate dir: korrigieren. Du darfst nen “Rückzieher” machen und z.B. sagen: “Oh, das war doof. Jetzt ist mir rausgerutscht, dass wir heute nicht mehr auf den Spielplatz gehen, nur weil ich mir mehr Hilfe beim Aufräumen wünsche. Das wollte ich nicht erreichen. Das tut mir leid.”

Nein, du verlierst damit nicht das Gesicht vor deinem Kind! Im Gegenteil. Dein Kind merkt, dass du ein Mensch bist. Und somit ist es normal auch mal nen Fehler zu machen. Und das es vollkommen in Ordnung ist, etwas zu verändern wenn man merkt, dass es sich blöd anfühlt.

Hab ich jetzt die Beziehung ruiniert, wenn ich mein Kind schon länger mit Strafen erzogen habe?

Ganz wichtig: Der Weg hin zur Beziehung ist niiiiiie zu spät!!! Es lohnt sich jederzeit und immer, in die Verbindung mit deinem Kind zu investieren!

Wenn du hin und wieder mal gestraft hast, obwohl du das ja eigentlich vermeiden willst, dann geht davon eure Bindung nicht kaputt. Lass dein Kind wissen, dass das doof war und es dir leid tut. Eine gesunde Beziehung hält es aus, dass es mal doofe Tage und Momente gibt.

Wenn du über viele Jahre mit großer Überzeugung Strafen angewendet hast, du nun dazugelernt hast und es anders machen willst: Gib euch Zeit. Dir und deinem Kind. Dein Kind ist davon geprägt und das ist sein Verständnis davon, wie es in eurer Familie läuft (Ja ich weiß, das ist erstmal hart. Aber hör auf, dich mit Schuld zu belasten. Jetzt bist du ja hier und willst es anders machen. Das ist wirklich mehr als toll!). Je jünger dein Kind ist, umso leichter wird das natürlich. 

Natürlich wäre es fatal zu sagen: Na dann lass ich’s halt und mach weiter wie bisher! Nein, gib euch Zeit, alte Muster zu überschreiben und neue Erfahrungen zu machen. 

Redet miteinander. Ein klärendes Gespräch wäre wahrscheinlich gut, indem du erklärst, dass du neue Dinge gelernt hast (es ist ja niemand unfehlbar) und du merkst, wie unschön manche Situationen bisher gelaufen sind. Und dir daran gelegen ist, das zu ändern.

Es dir wichtig ist, dass es euch in Konfliktsituationen beiden gut geht und dir die Verbindung mit deinem Kind total wichtig ist.

Und dann geht Schritt für Schritt vor. Auch du brauchst Zeit und Erfahrungen, um Handlungsalternativen zu Strafen zu erlernen und zu etablieren. Sei gut mit dir. 

Und jetzt very important: Wie geht es anders?

Indem du dich für das Verhalten deines Kindes interessierst. Hinter jedem Verhalten stecken Gefühle und Bedürfnisse. Wenn dir ein Verhalten nicht gefällt, dann rücke den Fokus weg vom Verhalten und blicke stattdessen hinter das Verhalten.

Komme in echten, authentischen Kontakt mit deinem Kind! Interessiere dich wirklich für die Beweggründe deines Kindes! Statt rhetorische Fragen zu stellen, mit dem Ziel, das Verhalten doch wieder am liebsten per Knopfdruck abstellen zu wollen.

Rede mit deinem Kind! Sprich mit Ich-Botschaften statt dein Kind zu verurteilen. Sei ergebnisoffen.

Unterstelle deinem Kind immer, dass es das, was es tut FÜR SICH tut und nicht GEGEN DICH! Das ist ein großer Unterschied. Denn oft fühlen Eltern sich von dem Verhalten ihrer Kinder angegriffen und schwupps befinden sie sich im Machtkampf.

Sei dir deiner eigenen persönlichen Grenzen bewusst (keine Glaubenssätze und “weil man das so macht”-Gedöns!). Das klingt so einfach, ist für viele Erwachsene tatsächlich eine Herausforderung. Das Gespür für den eigenen Körper, die eigenen Gefühle und Bedürfnisse so gut zu kennen, dass wir nicht mehr erst wütend werden müssen, bevor wir unsere Grenze aufzeigen können. Lerne in deinen Körper hineinzuspüren!

Und noch ein weiterer wichtiger Punkt: Stell dir die Frage, “Wie würdest du in einer solchen Situation mit einem anderen Erwachsenen z.B. der besten Freundin oder Partner:in umgehen?”

Die Antwort finde ich besonders aufschlussreich und darfst du dir immer wieder im Alltag stellen. Die Frage ist auch ein wichtiger Hinweisgeber für versteckten Adultismus – sprich die Diskriminierung von Menschen auf Grund ihres Alters.

Drei wichtige Tipps von mir:

1. Achte auf deine Bedürfnisse!

Wenn du nicht gut auf dich schaust, staut sich Frust und Ärger förmlich auf. Dir fehlt dann die Kraft für die Begleitung deines Kindes in herausfordernden Momenten. 

Dein Geduldsfaden ist dann oft zu kurz und es passiert viel schneller, dass du unfair wirst oder dein Kind anmotzt! Was tut dir gut?

2. Überprüfe deine Gedanken und Glaubenssätze!

In stressigen Momenten denkst oder sagst du plötzlich Sätze, die du aus deiner eigenen Kindheit kennst? Oder hast du unbewusste Glaubenssätze verinnerlicht? Beispiel: Wenn ich meinem Kind das jetzt erlaube, will es das immer so haben! 

Reflektiere dich und hör mal ganz genau hin, was deine Gedanken dir sagen! Und dann überprüfe diese Gedanken – sind sie wirklich, wirklich wahr? Ich wette da ist Luft nach oben!

3. Wichtig: Bringe eine Pause zwischen Reiz und Reaktion!

Wenn du selbst in emotionaler Not bist, dann wird es schwer, dein Kind gut zu begleiten! Daher ist es sehr hilfreich, dich und dein inneres System wieder neu zu sortieren.

Damit deine Kognition wieder die Führung übernehmen kann um dich an die Seite deines Kindes zu stellen.

Hilfreich ist z.B. bewusst atmen, trinken, Füße am Boden spüren, Arme abklopfen!

Die wichtigste Botschaft überhaupt: SEI GUT MIT DIR!

Der Weg weg von ERziehung hin zu unerzogen und friedvoller Elternschaft, die bewusst gewaltfrei, beziehungs- und bedürfnissorientiert ist – ja, das ist nix, was sich von heute auf morgen einfach umstellen lässt.

Es braucht oft längerer Übung – manchmal über Jahre hinweg. Und selbst dann wird es immer wieder einmal passieren, dass du in alte Muster zurück rutscht! Das ist total normal!

Wenn wir mal überlegen, wie tief die alten Erziehungsmuster  in uns verankert sind – über viele, viele Generationen hinweg! Ganz zu schweigen von transgenerationalen Traumata!

Ich feiere dich und jedes Elternteil, dass diese alten Wege verlässt und sich mutig durch unbekanntes Terrain wagt!

I mean – wie geil ist das Bitteschön! Mit dem Ziel, dass unser Kinder und deren Kinder bereits mit ganz anderen Voraussetzungen durchs Leben gehen!

Finde deinen Weg und geh ihn Schritt für Schritt – und wenn du dir alleine schwer tust, dann hol dir Begleitung von außen. Um z.B. Glaubenssätze zu reflektieren. Oder fiese Gedanken, die dir immer wieder im Weg stehen, um dein Kind friedvoll begleiten zu können!

Du willst dich noch intensiver damit auseinandersetzen, wie du in Zukunft auf Strafen verzichten kannst! Dann bist du bei mir schon mal an der richtigen Adresse 😉

Verabschiede dich von Drohungen ala “Wenn du jetzt nicht mitmachst, dann…!”

Lass Erziehung hinter dir und wähle den Weg der Verbindung!

Tschüss Strafen und zermürbende Machtkämpfe – hallo Leichtigkeit!

Unerzogen leben: Raus aus dem Hin- und her aus Strafen und Entschuldigung – damit dir in deiner Familie ein entspannter Umgang miteinander gelingt!

Dann nichts wie los! Stell dir mal vor, du kannst dir den ständigen Frust mit deinem Kind ersparen! Halleluja, wie geil wäre das denn?!

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Unerzogen: Digitale Medien für Kinder – Wie Selbstbestimmung wirklich gelingt!

Unerzogen: Digitale Medien für Kinder – Wie Selbstbestimmung wirklich gelingt!

Fangen wir mal kurz zur Einleitung bei Null an. Stichwort “Unerzogen”: Dein Kind hat ein Recht auf selbstbestimmte Mediennutzung! 

Warum? Weil dein Kind sowieso immer und ganz grundsätzlich das Recht auf Selbstbestimmung hat – als grundsätzliches Recht seines Mensch-seins!

Klar heißt das nicht, dass dein Kind dann pauschal immer alles machen kann, was es will! Klar gibt es natürliche Grenzen, die das Leben mit sich bringen! Die schlichtweg da sind!

Und es gibt die Grenzen, die DU setzen kannst, um die Selbstbestimmung von deinem Kind einzuschränken!

Einfach, indem du deine Macht einsetzt. Und Regeln, Verbote, Einschränkungen etc. aufstellst!

Wichtig: Wenn du dein Kind in seiner Selbstbestimmung einschränkst, dann solltest du dafür immer einen guten und wichtigen Grund haben!

Denn eines ist klar: Wenn du dein Kind einschränkst, geht das zu Lasten der Beziehung zwischen dir und deinem Kind!

Außerdem muss ja jedes Verbot, jede Regulierung kontrolliert werden – irgendwie macht’s ja sonst keinen Sinn! Klar, kannst du sagen: “Ich vertraue darauf!” – aber hey, das ist kein Vertrauen! Vertrauen wäre, wenn du erst garnix regulieren würdest! Und das meine ich ohne Wertung – ja, du kannst regulieren! Wenn das Ergebnis deiner Abwägungen ist: Ja, da muss ich jetzt regulierend eingreifen! Aber dann tun wir bitte nicht so, als wäre das Vertrauen!

Das heißt auch, du brauchst dich hinterher nicht ärgern, dass du deinem Kind nicht vertrauen kannst, wenn dein Kind hinter deinem Rücken heimlich doch Dinge tut, die es nicht darf! Oder dich anlügt!

Ja, du kannst dich höchstens ärgern, dass dein Kind dir nicht gehorcht! Das ist ein riesiger Unterschied! Aber hey, wer sollte sich da mehr ärgern: du oder nicht vielmehr dein Kind?

Übrigens ist es by the way ein total nachvollziehbares Verhalten und eine gesunde Reaktion, wenn dein Kind dich beschummelt oder anlügt, nachdem du seine Integrität durch Verbote oder Beschränkungen verletzt hast.

Wir sind auf dem Holzweg, wenn wir unseren Kindern Vorgaben und Regeln auferlegen und dann denken, dass wir das nur nett genug formulieren müssten und alles ist supi. Oder sogar Verständnis erwarten können.

Ja, manchmal ist es so, dass wir beschränken oder verbieten müssen. Das ist nicht per se falsch: Aber wir brauchen einen wichtigen Grund!

Denn was du von deinem Kind dann verlangst, hat nichts mehr mit Beziehung zu tun. Sondern das ist Gehorsam. Wundere dich also nicht, wenn dein Kind wütend wird, rebelliert oder auch anfängt zu lügen. 

Aber so wie ich dich einschätze, willst du das ja garnicht. Dein Ziel ist ja, in einer guten Verbindung mit deinem Kind zu sein! Du bist schließlich auf meiner Seite und suchst nach neuen Wegen, oder 😉

Soviel kurz und knackig zum Thema Selbstbestimmung im Allgemeinen was unerlässlich ist, wenn wir über digitale Medien sprechen!

Was sind Bildschirmmedien? Sind das nicht diese Kästen, die unsere Kinder in ne andere Welt beamen und sie hinterher geschädigt wieder ausspucken?

Kurz: Nö!

Stattdessen sind sie: Vielfältig! Und eine Bereicherung, wenn du es zulässt!

Wenn wir mal weggehen davon, Bildschirmmedien zu verteufeln haben wir die Möglichkeit das Potential von digitalen Medien zu entdecken:

Medien sind:

    • Chance für Verbindung
    • Zeit zum Spielen
    • Tools zum Lernen
    • Möglichkeiten für Entspannung
    • Gelegenheiten um richtig kreativ zu sein
    • Raum für Autonomie

Und vor allem sind sie eines: ein Teil unserer Realität! 

Ich weiß, es gibt viele Bedenken zu digitalen Medien. Und viele davon resultieren aus unseren eigenen Ängsten – oder aus denen, die von außen geschürt werden. 

Vielleicht verspürst auch du den Drang, dein Kinder vor “etwas” schützen zu müssen.

Ganz klassische Ängste von Eltern:

  • Mein Kind ist total passiv und bekommt nix mehr mit!
  • Mein Kind wird zu endlosem Konsum animiert!
  • Mein Kind nimmt sexistische, rassistische Inhalte auf!
  • Zu viel Gucken schadet meinem Kind!

Werbung und Kommerzialisierung soll mein Kind nicht abbekommen!

Dein Kind schaut etwas am Tablet und sieht dabei Werbung. Oder die bunten Zeichentrickfiguren springen euch im nächsten Laden von allen Klamotten oder Spielwaren entgegen!

Du ärgerst dich, wenn du mit deinem Kind Konflikte austragen musst, weil es lauter Dinge haben will, die es dort sieht? Ja, dann kannst du natürlich dem Tablet die Schuld geben. Das ganze verbieten. Und dann ist Ruhe im Karton. Vermeintlich – also vielleicht erstmal…

Aber: Nicht das Tablet ist schuld an dem Dilemma, dass dein Kind Dinge begehrt, die es sieht bzw. ihm gezeigt werden. Sondern wir leben in dieser riesigen Welt voller Konsum und Produkten! Klar kannst du jetzt deswegen die Medien verteufeln. 

Nur dadurch lebst du und dein Kind nicht in ner anderen Welt! Dein Kind wird mit Kommerzialisierung, Werbung, Marken, Trendfiguren etc sowieso in Berührung kommen. 

Zum einen auch ohne digitale Medien! Zum anderen, weil du dein Kind nicht ewig davor schützen kannst! Dein Kind wird größer und selbstständiger. Und ab nem gewissen Punkt liegt es schlicht nicht mehr in deiner Hand, was dein Kind schaut oder spielt!

Also nutze doch die Chance, die sich dir jetzt bietet: Statt ein Verbot auszusprechen, kannst du die Themen mit deinem Kind besprechen. Was ist Werbung? Wofür wird sie gebraucht? Was soll Werbung mit uns machen? Wie beeinflusst sie uns? Oder was auch immer bei euch das Thema ist!

Das wird für dein Kind deutlich hilfreicher sein, als ein Verbot!

Das gleiche gilt übrigens auch für Inhalte, die sexistisch, rassistisch, ableistisch etc sind. Ich glaub wir müssen nicht drüber reden, dass es viel zu viele Sendungen, Filme, Spiele gibt, die einen Haufen Mist reproduzieren und von Diversität weit entfernt sind. Und ja, es wird mit kleinen Schritten besser. Den Mist gibt es natürlich immer noch. Und gleichzeitig gibt es mittlerweile viele gute Alternativen, die divers sind und deutlich reflektierter zu diesen Themen stehen.

Deinem Kind die Serie zu verbieten, weil dort alle Mädchen knallepinke Kleidchen tragen und die Jungs die coolen Macher sind? Kannst du machen – geht allerdings definitiv zu Lasten eurer Beziehung. 

Stattdessen: Frag nach! Sei ehrlich interessiert (ehrlich!, dein Ziel sollte nicht sein, ihm die Serie madig zu machen)! Was begeistert dein Kind an der Serie? Worum geht es ihm? Was ist ihm wichtig? Sprecht über deine Werte!

Ohne deinem Kind ein schlechtes Gewissen einzureden oder dein Kind dafür zu verurteilen, dass es diese Sendung cool findet!

Weißt du, welcher Knackpunkt da oft getriggert wird bei Eltern: “Ich bin ein schlechtes Elternteil, wenn mein Kind solche Dinge konsumiert!” Nö, bist du nicht. Dein Kind trifft da eigene Entscheidungen. Du gehst mit ihm in Beziehung, zeigst deine persönlichen Werte auf. Oder z.B. auch deine persönlichen Grenzen, warum du genau diese Sendung mit deinem Kind nicht zusammen schauen kannst!

Beispiel: Es gibt nen Youtuber, den meine Kinder gut finden. Ganz ehrlich: Ich finde den gaaaanz furchtbar. Die Stimme kann ich nicht aushalten. Er gibt unreflektierten Mist von sich! Immer wieder tauchen Dinge wie “schuld sein” auf oder Weisheiten und Lebensphilosophien, die er hat, die ich echt ätzend finde – geht gar nicht für mich! Leider arbeitet dieser Youtuber viel mit nem anderen Youtuber zusammen, den meine Kinder (und auch ich) gut finden. 

Klar könnte ich nun meine Macht einsetzen und entweder Verbote aussprechen. Oder den Kanal von ihm löschen. Aber ganz ehrlich: Das würde unserer Beziehung so heftig schaden. Es gäbe krasse Machtkämpfe, ich müsste das kontrollieren und ja am Ende dann letztlich auch sanktionieren. 

Was ich stattdessen mache? Wir reden darüber. Ansich gucken wir öfter auch mal was gemeinsam. Ich erkläre, warum ich den nicht mitschauen kann. Stattdessen aber gerne andere. Und wenn mir Inhalte auffallen, die er sagt, die total gegen meine Werte gehen, dann rede ich mit meinen Kindern darüber.

Meine Kinder kennen meine Werte. Und mittlerweile können sie auch viel besser erkennen, wenn sie Inhalte sehen, die gegenläufig sind.

Ich vertraue meinen Kindern! Ich vertraue darauf, dass sie die “richtigen” Werte in ihrem Leben verankern! Weil wir sie in unserem Leben leben!

Kontrolle, Verbote, Beschränkungen sind das Gegenteil von Vertrauen. Und nehmen euch die Chance gemeinsam zu wachsen!

Ich weiß, dass es beängstigend sein kann, sich dem zu stellen! Das ist ne dicke Kröte zu schlucken, wenn du das bisher anders gehandhabt hast! Aber es lohnt sich so sehr, sich damit auseinander zu setzen!

Nur tu dir damit einen ganz wichtigen Gefallen: Überfordere dich und dein Kind nicht!!! 

Du hast bisher die Dauer und die Inhalte reguliert? Dann wirf deinem Kind jetzt nicht das Tablet vor die Nase und lass es machen!

Das ist einerseits ne Überforderung für dein Kind! Und andrerseits ist es nicht gerade förderlich, wenn du dann selbst andauernd an deine inneren Kritiker und Dämonen stößt. Was sich dann darin zeigt, dass du nen Zickzack-Kurs mit deinem Kind fährst und zwischen “Erlauben” (Erlauben ist nur das Gegenstück von Verboten und ist kein Vertrauen!) und Verboten hin und her springst. Oder du anfängst dein Kind anzupampen, weil du es nicht gut aushalten kannst, was oder wieviel dein Kind schaut!

Mache kleine Schritte! Wähle vielleicht erstmal Sendungen aus, die dir keine Schwierigkeiten machen. Die du auch gerne mitguckst. Und erweitere von dort aus den Radius.

Wichtig zu wissen: Der sogenannte “pädagogische Gegenteileffekt”!

Ja, es kann und wird sehr wahrscheinlich passieren, dass dein Kind wirklich viel guckt nachdem du Bildschirmmedien “frei gibst”. Es hat ja noch kein Vertrauen, dass du nicht doch wieder nen Rückzieher machst. Also wird es erstmal alles ausnutzen was geht! Das ist total normal!

Es kann viele Monate dauern, dass dein Kind sich von den Verboten und der bisherigen Regulierung erholt!

“Was mach ich denn, wenn mein Kind dann auch nach langer Zeit des Vertrauensaufbaus trotzdem jeden Tag Stunden vor dem Bildschirm sitzt?”

Ja, klar kann es passieren, dass dein Kind weiterhin viel Zeit vor dem Bildschirm verbringt! 

Das Ziel von selbstbestimmten Medienkonsum ist nicht: “Ich geb das jetzt frei und erwarte dann, dass mein Kind innerhalb kürzester Zeit digitale Medien in nem für mich vertretbaren Umfang nutzt.”

Das ist alles andere, aber keine Selbstbestimmung! Das dient höchstens deiner Vorstellung davon, wie du dich als gutes Elternteil fühlst und darin bestätigt werden willst! Sorry for the Klarheit!

Also: Checke hier unbedingt deine Erwartungen!

Dein Kind verbringt viel Zeit vor dem Bildschirm und du bist unsicher?

⇒ Frag dich: Wer hat das Problem? Dein Kind oder du?

Hat dein Kind das Problem?

Fühlt es sich unwohl? Schafft es den Übergang zu anderen Beschäftigungen nicht? Braucht es Bewegung? Geraten Dinge, die deinem Kind eigentlich wichtig sind total ins Hintertreffen? Braucht dein Kind Hilfe?

Dann lohnt es sich genau hinzuschauen: Was ist hilfreich? Geh mit deinem Kind ins Gespräch! Wünscht es sich vielleicht sogar Begleitung bei den Übergängen? Sind die Inhalte passend für dein Kind?

Manchmal sind Medien eine Strategie, um mit Dingen im Außen besser umgehen zu können! Also darfst du auch auf´s Außen schauen! 

Klar kann es auch sein, dass ein Kind, das viel vorm Bildschirm “abhängt”, was zu kompensieren hat. Zum Beispiel ein fehlendes Beziehungsangebot in der Familie. Fehlende Sicherheit im Außen.

Was du auf keinen Fall tun solltest: Jetzt in Panik geraten und deinem Kind den Bildschirm wegnehmen! Zum Beispiel, weil du jetzt denkst: “Oh Gott, ich bin ein schlechtes Elternteil! Mein Kind kompensiert was – schnell weg damit. Ich muss ja unsere Beziehung retten!”

Nein! Denn selbst wenn dein Kind den Bildschirm nutzt, um etwas zu kompensieren, dann ist das immer noch eine wichtige Sache: nämlich eine Strategie!!! Und die solltest du deinem Kind niemals einfach wegnehmen! Und schon gar nicht ohne alternative Strategie!

Und manchmal ist es auch garnicht schlecht sondern positiv, Bildschirmmedien als Strategien zu verwenden!

Gerade Menschen im neurodiversen Spektrum nutzen Medien oft als Strategie, z.B. zur Entspannung, zur Beruhigung bei Einflüssen im Außen. Ja, da kann es sogar total wichtig sein, dass das Tablet während einer Mahlzeit läuft!

Du siehst: Es gibt nie DIE eine pauschale Antwort auf digitale Medien! Das ist immer individuell und weit entfernt von “Richtig” oder “Falsch”!

Hast du das Problem?

Deinem Kind geht’s total super mit den Medien. Die lange Nutzungsdauer hat keine negativen Effekt! Dein Kind ist begeistert, voll im Flow, zieht viel Positives für sich heraus?

Dann frage dich, was konkret dein Problem ist? Sind es Ängste? Was hilft dir, mit diesen Ängsten umzugehen, anstatt Verbote auszusprechen?

Und ja klar: Das Ergebnis kann sein, dass du mit ner Sache (noch) nicht klar kommst und Medien oder ein Thema dich krass herausfordern! Auch das darf sein und du bist in Ordnung so wie du bist! Ganz ehrlich und von ganzem Herzen!

Dann kann es sogar wirklich sinnvoller sein, deinem Kind was zu verbieten oder zeitlich zu limitieren. Statt in nem destruktiven Schlingerkurs und in der Überforderung doofe Dinge zu sagen oder zu tun!

Tu dir und deinem Kind aber einen Gefallen und sei fair: Mach nicht die Wünsche von deinem Kind zur Ursache! Sondern kommuniziere klar, dass es dein Problem ist! Dass du darauf nicht klar kommst und deswegen im Moment keine andere Lösung finden kannst, als etwas zu verbieten oder limitieren!

Es gibt auch hier NIE ein “richtig” oder “falsch”! Nie! Das ist viel zu individuell! Und niemand hat den gleichen Rucksack am Rücken wie du! Niemand kann das von außen bewerten!

Kurz zusammengefasst: meine grundsätzlich Haltung ist die, dass die Nutzung deiner Macht als Elternteil nicht mehr als irgendwie notwendig eingesetzt werden sollte. Und gleichzeitig bin ich weit weg von “Gibt die Medien frei – komme was wolle!” 

Sondern: Finde deinen Weg und geh ihn Schritt für Schritt – und wenn du dir alleine schwer tust, dann hol dir Begleitung von außen. Um z.B. Glaubenssätze zu reflektieren. Oder fiese Gedanken, die dir immer wieder im Weg stehen, um dein Kind friedvoll bei der Nutzung von digitalen Medien begleiten zu können!

Du hast keinen Bock mehr, eure Beziehung länger von Bildschirmmedien strapazieren zu lassen? Du willst “Unerzogen” auch hier einziehen lassen?

Verabschiede dich von:

  • Drohungen ala “Wenn du jetzt nicht ausmachst, dann…!”
  • Gedanken wie “Manno, was mache ich falsch, dass mein Kind so viel schaut…!”
  • Ewiges Geschrei und Streitereien wegen nem flimmernden Bildschirm!

Lass Erziehung hinter dir und wähle den Weg der Verbindung!

Tschüss Machtkämpfe – hallo Leichtigkeit mit digitalen Medien!

Wie du dich sicher machen kannst im Umgang mit digitalen Medien – damit Machtkämpfe um den Bildschirm endlich der Vergangenheit angehören! Und dir in deiner Familie ein entspannter Umgang gelingt!

Dann nichts wie los! Stell dir mal vor, du kannst dir den ständigen Frust mit deinem Kind ersparen! Halleluja, wie geil wäre das denn?!

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Heute wird´s persönlich: Unerzogen und Langzeitreise – Mein Lebensweg dort hin!

Heute wird´s persönlich: Unerzogen und Langzeitreise – Mein Lebensweg dort hin!

Ich frage mich, wieviele Eltern bzw. Familien es gibt, die ein Leben leben, das sie nicht erfüllt und welches sie im Grund so nicht leben wollen!

So ein “weil man das so macht”-Leben. Ich muss sagen, teilweise gehörte ich da auch dazu.

Eine Hochzeit gehört doch dazu, oder? Und eine Immobilie kaufen auch. Man will ja vorsorgen. 

Der gut bezahlte Job, der einem ein Gefühl von Sicherheit suggeriert. Der aber eigentlich gar nicht der eigenen Leidenschaft entspricht. Und ehrlicherweise auch nicht die eigenen Bedürfnisse erfüllt.

Manchmal kann diese Erkenntnis hart sein und das ganze Leben ordentlich auf den Kopf stellen!

Heute geht´s um meinen Weg zu unerzogen leben, warum ich mich Selbständig gemacht habe und wie wir dazu kamen auf Langzeitreise zu gehen!

Zuerst zu meinem Job: In meiner früheren Arbeitsstelle war ich bereits vor und vor allem spätestens mit Bekanntgabe meiner ersten Schwangerschaft krassem Sexismus, Frauenverachtung und Mütterverachtung durch den Chef ausgesetzt.

Aus Pflichtbewusstsein und mangels Alternative kehrte ich sowohl nach der ersten und auch nach der zweiten Schwangerschaft kurzzeitig an den Arbeitsplatz zurück. Jedesmal begleitet von  sexistischer und frauenfeindlicher Behandlung.

Während ich mit dem 3. Kind schwanger war, schwor ich mir, dort keinen Fuß mehr hineinzuzusetzen. Und das tat ich auch nie wieder!

Als mein 3. Kind knapp ein halbes Jahr war, machte ich eine Ausbildung zur Trageberaterin und zur Stoffwindelberaterin. Damit konnte ich während meiner Elternzeit, welche ich komplett ausschöpfte nebenher selbständig arbeiten.

Irgendwann kam ich an den Punkt, an dem ich für mich feststellte, dass ich meine Arbeitsstelle kündigen werde. Nur wollte ich dann auch wieder mehr arbeiten, was mit Trage- und Stoffwindelberatungen nicht so ging, wie ich mir das vorstellte. 

Also machte ich eine Ausbildung zur bindungsorientierten Familienberaterin. Und erschuf damit mein neues berufliches Standbein.

Ich ermöglichte mir damit ortsunabhängig selbständig zu arbeiten und ich kann mir meine Zeit familiengerecht frei einteilen! Wobei ich dazu sagen muss, dass ich damals noch nicht wirklich an ein ortsunabhängiges Business gedacht habe. Heute bin ich sehr dankbar und froh darüber!

Parallel zu meiner beruflichen Entwicklung ist auch viel in meiner persönlichen Entwicklung passiert.

Mein ältestes Kind kam mit drei Jahren in den Kindergarten, mein Mittlerer mit zwei in die Krippe. Was sich für mich damals schon nicht gut anfühlte. Aber musste ja sein – schließlich musste, “wollte”, sollte, ich wieder arbeiten gehen. Finanziell wurde es nämlich dann einfach etwas enger.

Während dieser Zeit fing ich intensiver an, mich mit bedürfnisorientierter Elternschaft zu beschäftigen. Ich hörte zum ersten Mal etwas von Hochsensibilität und Gefühlsstärke!

Und von dort aus entwickelte ich mich weiter. Bis ich auf den Begriff “unerzogen” gestoßen bin. Und das war der absolute Game-Changer für mich.

Ich lernte Menschen kennen, die ohne Erziehung mit ihren Kindern lebten. Ich las Bücher und Artikel. Und buchte Kurse.

Ich war Feuer und Flamme weil ich instinktiv spürte – ja das ist es. Das sind meine Werte. Endlich ergab alles einen Sinn!

Mit der Geburt meines dritten Kindes wurde das Thema “Erziehung” bzw. die Nicht-Erziehung nochmals enorm gepusht. 

Meine Werte veränderten sich sehr. Was dazu führte, dass ich auch immer skeptischer wurde zu dem Umgang mit meinen Kindern von Seiten des Kindergartens. Erziehung und Übergriffe wurden mir immer mehr bewusst und kollidierten mit dem, was ich für meine Kinder wollte!

Also entschloss ich mich dazu, die Kinder aus dem Kindergarten abzumelden. Und von dort an lebten wir kindergartenfrei.

Ja, zugegeben: Mit drei kleinen Kindern ist das nicht immer ein Spaß. Oft genug kam ich an meine Grenzen und darüber hinaus! Und ich war ganz sicher nicht immer die Mama, die ich ja eigentlich sein wollte. 

Und gleichzeitig war es der richtige Weg. Und es ermöglichte mir, intensiv zu wachsen und mich mit meinen Themen auseinander zu setzen.

Letztlich klopfte dann auch unaufhaltsam das Thema Einschulung an die Türe.

Wir machten uns viele Gedanken darüber. Und mir war klar, dass es für mein ältestes Kind definitiv keine Option war, eine Regelschule zu besuchen!

Leider ist es in München bzw. überhaupt ganz Bayern zu diesem Zeitpunkt schwer bis unmöglich gewesen, eine Schule zu finden, die ein freies beziehungsorientiertes Konzept hatte. Wir haben auch nach Montessori-Schulen gesucht – vergebens!

Letztlich haben wir eine Schule in Berlin ausgewählt, bei der uns das Konzept angesprochen hat. Eine befreundete Familie war bereits auf der Schule. Und wir haben dort einen aufwändigen Bewerbungsprozess durchlaufen und schlussendlich einen Platz bekommen.

Wir waren sehr froh und sind dann im Sommer 2019 mit Sack und Pack nach Berlin gezogen.

Im Laufe der Zeit stellte sich allerdings heraus, dass es an der Schule, die damals noch recht am Anfang stand, nicht wirklich gut lief. Zunächst dachten wir, dass es einfach ganz normale Anfangs- und Findungsschwierigkeiten waren.

Nachdem wir dann aber fast drei Jahre dort verbracht haben und es immer schlimmer statt besser wurde, haben wir für uns eine Entscheidung getroffen: Diese Schule war kein sicherer Ort – weder für unsere Kinder noch für uns! Damals verließen viele Eltern diese Einrichtung!

Und wir standen vor der Situation: Was tun? Klar hatten wir uns bereits im Laufe der drei Jahre an anderen Schulen beworben. Allerdings gab es keine freien Plätze für Quereinsteiger. Erst recht nicht für zwei auf einmal.

Gleichzeitig gab es auch Schulen, an denen wir womöglich Chancen gehabt hätten, die wir aber bewusst nicht gewählt haben z. B. weil das Konzept nicht zu uns bzw. unseren Kindern gepasst hat.

Also gut, wir wählten dann die Regelschule und entschieden uns bewusst dafür. Wir wollten dem System eine Chance geben und hatten eine Schule gefunden, die sich sehr gut anhörte.

Es lief teils auch relativ gut. Und teils auch so überhaupt nicht. Mein Fazit: Es steht und fällt mit den Menschen!

Im Endeffekt war es oft mehr ein “aushalten und durchhalten” als ein “ja, so fühlt sich unser Alltag gut an”. Es gab dauerhaften Stress, immer wieder auch Verweigerungen seitens der Kinder in die Schule zu gehen. In manchen Fächern gab es Lehrpersonen die mehr Schaden als Nutzen anrichteten. So dass sich Widerwille bis Angst breit machte, wenn das Fach an dem Tag unterrichtet wurde. 

Manche LehrerInnen waren super gut und dort ging eines der Kinder sehr gerne hin, sogar freiwillig mehr, als es hätte tun müssen.

Ja, das System Schule hinkt außerordentlich an so vielen Ecken und Enden.

Und gleichzeitig steht und fällt es mit den jeweiligen Menschen, mit denen man zu tun hat. Trotz unserer Erfahrung glaube ich nach wie vor, dass eine Regelschule für Kinder gut sein kann, wenn sie überwiegend mit tollen Menschen dort zu tun haben.

Da können 2-3 LehrerInnen, welche die Kinder ohne Wohlwollen sehen und keine Wertschätzung übrig haben, aber eben leider auch das Ganze ins Gegenteil kippen lassen.

Hinzu kam, dass wir zusehen konnten, wie die intrinsische Motivation der Kinder durch Zwang und Müssen in vielen Bereichen im Keim erstickt wurde. Das Selbstvertrauen sank. Belohnungen, die dann zu Strafen kippten, führten zu viel Frust!

Letztlich stellten wir für uns fest, dass es uns als Familie nicht mehr gut ging damit. Die Nachteile überwogen.

Meinen Kindern ging es nicht gut. Und auch an mir ging das Schulprogramm nicht spurlos vorüber. Das Funktionieren im Alltag wie frühes Aufstehen, straffer Zeitplan am Morgen allein mit drei Kindern (davon ein Kita-Kind, das immer mit funktionieren musste), verschiedene Abholzeiten und damit verbundene mehrfache Fahrtwege am Tag, anschließende Begleitung von Hausaufgaben von zwei Kindern die regelmäßig von großem Frust und Wutausbrüchen gespickt waren.

Um dann am Ende des Tages alle pünktlich ins Bett zu treiben. Damit der nächste Tag wieder genauso weiter lief. In der wenigen Zeit, die mir zur Verfügung stand, versuchte ich zu arbeiten – was eher schlecht als recht möglich war!

Ja, wenn wir als Eltern das Gefühl haben, wir schaffen nicht alles. Wir sind nicht gut genug. Wir müssten uns nur mehr anstrengen: Absoluter Bullshit!!!

Dieses System ist kräfteraubend. Es ist kein Wunder, wenn wir am Ende des Tages völlig erschöpft sind und das beklemmende Gefühl haben, wir genügen nicht oder unsere Kinder sind eine Last! 

So viele Familien funktionieren mit nur einem oder zwei Elternteilen ohne große Unterstützung von außen!

Wir standen dann irgendwann an dem Punkt, an dem uns klar wurde, dass es so nicht weiter geht. Das wir so nicht unser Leben führen wollen. Unsere Kinder in eine Institution zwingen, die ihnen offensichtlich nicht gut tut und die sie unter den gegebenen Umständen nicht besuchen wollen. Uns als Eltern aufzuarbeiten, nur damit alles so funktioniert, wie es von der Gesellschaft vorgesehen ist. 

Ich stellte mir die Frage: “Worauf will ich zurückblicken, wenn ich am Ende meiner Tage angelangt bin?!”

Ja, viele empfinden diese Frage als hart. Vielleicht weil sie einem auch vor Augen führt, dass unser Leben endlich ist. Ich muss ehrlicherweise dazu sagen, dass auch mich diese Frage etwas getriggert hat und das auch immer noch manchmal tut. Denn sie erinnert mich daran, dass meine eigene Mama viel zu früh von dieser Erde gegangen ist!

Und gleichzeitig kenne bzw. kannte ich viele Menschen, die zu früh gehen mussten oder auch so lange pflichtschuldig gelebt haben, um irgendwann im Alter groß aufzublühen – und sie diesen Plan dann nicht umsetzen konnten!

Wir leben fucking JETZT! Auch unsere Kinder! Wie sie aufwachsen – das IST bereits ihr LEBEN – und unseres als Eltern! 

Sie gehen nicht in die Schule, um später zu leben! Nein, sie TUN es bereits! Und wir dürfen uns die Frage stellen, ob unser aktuelles Leben auch das ist, was wir wirklich führen wollen!!! VERDAMMT – JA!!!

Nein, wir müssen da nicht durch! Nein, das gehört nicht zum Leben dazu! Nein, ich muss nichts tun, weil man das so macht!

Um auf die Frage zurückzukommen, die ich mir gestellt habe! Ich konnte sie klar beantworten, indem ich für mich festhalten musste: Nein, wie wir zu dieser Zeit lebten, war definitiv nicht das Leben, das ich mir wünschte!

Also fing ein Prozess an. Wobei dieser Prozess bereits seit Jahren in mir bzw. uns gärte. Denn es war bereits eine Idee, die im Raum stand, als wir das erste Mal mit der Schulpflicht in Deutschland in Berührung kamen: Ins Ausland gehen!

Klar dachten wir auch über andere Alternativen nach.

Nochmal nach einer freien Schule irgendwo in Deutschland suchen (dafür fehlte uns absolut die Kraft, wo anfangen, weite Fahrtwege für Besichtigungen und Bewerbungsprozesse, die Kinder in diesem ständigen vielleicht hier, vielleicht dort begleiten, wieder ein Umzug).

Oder auch den Weg des “zivilen Ungehorsams” gehen und sich mit Jugend- und Schulamt und möglicherweise Gerichtsprozessen rumschlagen. Das war nicht der Weg, mit dem ich mich wirklich frei und unabhängig gefühlt hätte. Ich bin sicher, wir hätten das auch irgendwie durchstanden. Aber ich wollte nicht! Mein Bedürfniss nach Sicherheit hat mir klar signalisiert, dass dies nicht unser Weg war.

Also entschieden wir uns dazu, mit unserem Wohnmobil auf Langzeitreisen zu gehen.

Ich kann gar nicht mehr sagen, wann oder wie ich die ersten konkreten Schritte gegangen bin!

  • Vielleicht war es der Moment, als ich schon Monate vorher in einem Business-Coaching mein Vision-Board erstellt habe! Das hier war es:
Freilernen, Freilerner, selbstbestimmte Bildung, legale Umgehung Schulpflicht reisen

Und ich finde es krass, wie sehr es eingetroffen ist! Ok, die Palme fehlt im Moment noch 😉

  • Vielleicht war es aber auch der Moment, als ich mich auf den Hintern setzte und mich erstmals wirklich konkret mit rechtlichen Gegebenheiten zum Thema Langzeitreisen auseinandersetzte. Und für unsere Familiensituation geprüft habe, was möglich ist! Und ey, ich habe nicht schlecht gestaunt, WAS alles MÖGLICH IST!
  • Vielleicht auch der Moment, als wir uns im Sommer zuvor ein Wohnmobil kauften – für den Urlaub. Aber auch für alle Fälle, um die Option, auf Langzeitreise zu gehen, wirklich in die Tat umsetzen zu können.

Wahrscheinlich von allem etwas. Ja, manifestieren ist absolut hilfreich – aber nur, wenn du deinen Wunsch nicht nur “blind dem Universum” übergibst. Sondern dann, wenn du auch anfängst (kleine oder große) Schritte in die richtige Richtung zu gehen!

Das Ergebnis aus unserem persönlichen Entwicklungs-Prozess: Wir sind seit Mai 2023 als Reisefamilie mit unserem Wohnmobil auf Langzeitreise! Wir sind aus unserer Wohnung ausgezogen und aus Deutschland abgemeldet! Meine Kinder sind Freilerner und bilden sich selbstbestimmt!

Und endlich leben wir so frei und genau so wie es für uns als Familie wirklich passt!

  • Glückselig mit Regenbogen aus dem Allerwertesten: Nein!
  • Frei und selbstbestimmt nach unseren Regeln und ja, auch gücklich: Ja!

Und heute kann ich sagen, wenn ich am Ende meiner Tage auf das Leben zurückblicke, das ich führe: JAA, genau so will ich leben!

Du willst auch etwas verändern?

Ich biete dir mit meinem Coaching “Langzeitreise für Familien” die Möglichkeit, dass wir zusammen genau deine Familiensituation beleuchten.

Einerseits rechtliche Gegebenheiten anschauen. Und gleichzeitig kann ich dich in deinem Prozess dorthin begleiten. 

  • Emotionale Höhen und Tiefen mit dir gemeinsam halten!

  • Wechselbäder der Gefühle meistern!

  • Unsicherheiten auflösen!

  • Klarheit schaffen!

  • Dich mit all meinem Wissen und meiner Erfahrung begleiten!

Stell dir mal vor, du könntest in einem Jahr einen ähnlichen Artikel verfassen. Und du lebst genau das Leben, das du dir wünschst!

Mit Leichtigkeit, Lebendigkeit, Spaß und selbst gewählten Freiheiten!

Morgens von alleine aufwachen mit Blick auf das Wasser statt auf den klingelnden Wecker!

Statt mit deinen Kindern krampfhaft vor Hausaufgaben zu versauern, lernen sie so, wie sie es wollen und nach ihren eigenen Interessen!

Ich lade dich ein: Ja, manifestiere UND gehe deinen ersten Schritt – er kann klein sein und gleichzeitig ganz Großes bewirken 😉 Wenn du das hier liest und du das kribbeln in deinem Bauch spürst das laut “Verdammt ja!” rufen will, dann könnte das bereits dein erster Schritt sein!!!

Klicke auf den Button und schau unbedingt gleich in mein Angebot rein!

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Wie du die Wutanfälle deines Kindes gekonnt meisterst!

Wie du die Wutanfälle deines Kindes gekonnt meisterst!

Die Wutanfälle von deinem Kind bringen dich regelmäßig an deine Grenzen?

Ja, ich weiß, diese Momente können richtig anstrengend und herausfordernd sein! Manchmal musst du all deine Kraft aufbringen, dein Kind friedvoll dabei zu begleiten!

Und manchmal fragst du dich einfach nur “Herrgott, was soll ich denn jetzt noch tun, um mit dieser Wut von meinem Kind umzugehen!?”

Du bist damit nicht alleine. So geht es vielen Eltern. Auch wenn die wenigsten offen darüber sprechen.

Im heutigen Blogbeitrag geht es darum, was du tun kannst, wenn dein Kind einen Wutanfall hat. (Wenn du dich fragst, wie diese Wut eigentlich entsteht, dann schau mal hier in meinen letzten Blog-Artikel.)

Wenn dein Kind wütend ist, dann braucht es dich! Co-Regulation heißt das Zauberwort, wobei da wenig Zauber drin steckt. Sondern es geht vielmehr darum, dass dein Kind eine große Entwicklung durchmacht und lernt, mit seinen eigenen Gefühlen umzugehen. Ein Quantensprung in der Entwicklung, der viel Übung und Begleitung braucht!

Was übrigens nicht mit ein paar mal üben erledigt ist. Sondern dein Kind braucht viel Zeit – wir reden hier von mehreren Jahren. (Ja, ich höre dich innerlich säufzen 😉 )

Was wir oft im Alltag vergessen:

Du darfst dir bewusst machen, was für eine schier unfassbare Leistung das Gehirn deines Kindes in den ersten Lebensjahren vollbringt.

Unsere Kinder kommen als Babys auf die Welt. Lernen dann erstmal die ganze Palette der Motorik kennen. Gleichzeitig auch noch die Sprache vom Verstehen bis zum selber sprechen. Der Körper wächst stetig und oft fühlt sich alles von einem Tag auf den anderen ganz anders an.

Sie machen die Entwicklung durch, dass sie nicht mit uns Eltern verschmolzen sind, sondern ganz eigenständige Menschen. Die auch einen eigenen Willen haben.

Damit umgehen zu lernen ist eine große Herausforderung. Und dann wird dein Kind dabei auch noch von einer Unmenge an ganz neuen Gefühlen überflutet. Die es zu Handlungen veranlasst, vor denen es wahrscheinlich hinterher mindestens genauso erschrocken bist wie du.

Also alles in allem braucht dein Kind in seiner Entwicklung und den damit verbundenen Gefühlsausbrüchen gaaaanz viel Verständnis, Begleitung und Unterstützung!

1. Bleibe in deiner Ruhe und in deiner Kognition

Jaaa, ich weiß wie schwierig das manchmal ist! Ehrlich! Und gleichzeit ist es das A und O!

Denn wenn es bei deinem Kind emotional hoch hergeht, dann ist es umso wichtiger, dass du dich nicht mit hineinziehen lässt. Und du auf deine eigene Kognition zurückgreifen kannst, statt emotional mit einzusteigen.

Oft fühlen Eltern sich von dem Verhalten der Kinder angegriffen.

Dann ist es umso wichtiger, dass du dir klar machst, dass dein Kind nicht gegen dich handelt. Sondern ihm gerade schlichtweg andere Strategien fehlen, um sich anders zu verhalten!

Versuche in deiner Kognition zu bleiben und dich nicht in den Strudel aus Emotionen mitreißen zu lassen. 

Mantras, die du dir sagen kannst:

  • Mein Kind tut das nicht gegen mich, sondern für sich!
  • Wenn mein Kind könnte, würde es sich anders verhalten – es kann aber gerade nicht!
  • Wenn es mir mit der Situation gerade nicht gut geht – meinem Kind geht es vermutlich noch viel schlechter. Es braucht meine Hilfe!

UUND: Deine Freundin ist deine Atmung!

Wenn du merkst, dass das Verhalten und die Wut deines Kindes dich reizen und du kurz davor bist zu explodieren: Reguliere dich mit der Hilfe deiner Atmung!

Atme mehrere Sekunden tief durch die Nase ein – und dann lange durch den Mund aus, bis dein Körper wieder von alleine den nächsten Atemzug zum Einatmen macht! Das kannst du mehrmals hintereinander machen!

2. Versuche dich in dein Kind einzufühlen

Wichtig dabei: Du bleibst in deiner Kognition und kannst dich trotzdem empathisch in dein Kind einfühlen, ohne dich emotional mitreißen zu lassen!

Denke in Gefühlen und Bedürfnissen: Worum könnte es meinem Kind gerade gehen? Welche Bedürfnisse könnten dahinter stecken!

Wenn dir das noch etwas schwer fällt, dann schau mal hier: Ich biete genau dafür eine praktische Checkliste an. Kostet dich keinen Cent und ist mega hilfreich, um ein besseres Gefühl dafür zu bekommen!

3. Verbalisiere die Gefühle deines Kindes

Das nennt sich auch “spiegeln”. Du findest Worte für die Gefühle und Bedürfnisse deines Kindes. Das ermöglicht deinem Kind, viel über seine Gefühlswelt zu lernen. Und es fühlt sich verstanden. Manchmal braucht es aber auch keine großen Worte. Sondern deine Körpersprache, deine Mimik oder einfach nur still da sein reichen aus.

Manchmal verträgt dein Kind vielleicht auch gar keine körperliche Nähe oder möchte Zeit für sich alleine – auch das ist in Ordnung! Biete deinem Kind an, dass es jederzeit zu dir kommen kann und du für es da bist!

Vermeide diesen Fehler: Zu erwarten, dass sich die Emotionen deines Kindes durch das Spiegeln in Luft auflösen!

Leider wird das spiegeln bzw. emotinale Begleiten eines Wutanfalles nämlich oft missverstanden. Das ist keine Methode, mit der sich die Wut deines Kindes auf Knopfdruck plötzlich in Luft auflöst. Sondern Sinn und Zweck dahiner ist, dass dein Kind etwas über sich selbst lernt. Es geht nicht darum, dass es DIR dann hinterher besser geht. Sondern deinem Kind! Und das du dein Kind in seiner ganz normalen, natürlichen Entwicklung unterstützt!

Und manchmal dauert es einfach länger, bis die Emotionen wieder abgeebbt sind. Das ist zwar anstrengend. Aber ganz natürlich und in Ordnung!

Feel free to feel!

Sprich authentisch mit deinem Kind! Nee, dat ist kein Freifahrtschein, deinem Kind alles ungefiltert an den Kopf zu knallen. Sondern sprich in deiner Sprache.

Dein Kind spürt ganz genau, ob du nur auswendig gelernte Sätze, die du irgendwo gelesen hast, nach sprichst. Oder ob du dich gerade WIRKLICH in deine Kind einfühlst und das zum Ausdruck bringst!

4. Du hast alles versucht und trotzdem keinen blassen Schimmer. Du fragst dich: “Warum ist mein Kind gerade so wütend?”

 Dann darfst du natürlich genau das auch sagen: “Es tut mir leid. Ich weiß gerade nicht, was los ist und möchte es gerne verstehen! Kannst du mir bitte sagen, was dich so ärgert!” (Natürlich in deinen Worten weil es sonst nicht authentisch ist 😉 )

Vielleicht kann dein Kind dir antworten. Wenn nicht: Wir müssen es als Eltern nicht immer verstehen! Ja, auch wenn es sich für uns gut anfühlt. Weil wir dann eher in der Lage sind, nach einer Lösung zu suchen. Wenn wir das nicht können, kann es passieren, dass unser eigener Körper das als extrem unangenehm wahrnimmt. Weil Lösungen suggerieren Sicherheit. Und das fühlt sich einfach besser an, als wenn wir an dem Punkt nicht weiter kommen.

Dennoch ist auch das Teil von dem Prozess: Manchmal gibt es einfach keine (perfekte) Lösung! Dann darfst du das mit deinem Kind auch zusammen blöd finden! 

Ihr seid ein Team, keine Gegner!

5. Was du dir sparen kannst: Erklärungen

Ja, du sollst in deiner Kognition bleiben, damit du dich emotional nicht mit reinziehen lässt. Erwarte das jedoch bitte nicht im gleichen Zuge von deinem Kind! Denn dein Kind hat in seinem Gefühlssturm keine Möglichkeit, auf seine Kognition zurückzugreifen, sprich logisch zu denken und Argumente zu hören oder gar zu verstehen!

Lies dir meinen letzten Blogartikel durch, wenn du mehr wissen willst! Dein Kind ist einfach total in seinen Emotionen verhaftet. Da ist kein Platz für Erklärungen, z.B. das ihr das später machen könnt, weil Tante Erna gerade leider keine Zeit hat! Oder der Laden geschlossen ist, weil heute Sonntag ist.

Ja, das sind zwar Gründe. Aber die sind für dein Kind nicht hilfreich. Durch solche Argumente wird die Not höchstens größer. Damit bist du auf nem ganz anderen Boot unterwegs als dein Kind. Hüpfe an seine Seite und begleite seine Gefühle statt mit, für dich glasklaren Argumenten, seinen Wunsch zu entkräften!

6. “Hilfe, ich begleite doch – und jetzt tritt mein Kind mich. Ich verstehe die Welt nicht!”

Du willst dein Kind in seinem Gefühlssturm begleiten und dein Kind wechselt zwischen “Ich will in deine Arme” und “Ich will dich treten” hin und her?

Auch das ist sehr natürlich. Du bist der Fels in der Brandung für dein Kind! Bei dir kann es SEIN!

Nur kommen sich da einfach manchmal die Bedürfnisse gegenseitig in die Quere. Auf der einen Seite Autonomie, die eigenen Ziele zu erreichen. Andererseits die Verbundenheit zu dir und sich emotional auffangen zu lassen. 

Das kann dazu führen, dass dein Kind sich in deine Arme wirft und weint. Und im nächsten Moment wieder wütend auf dich einhaut – ja, anstrengend. Aber alles im grünen Bereich!

Hier nochmal der Reminder: Spiegeln und emotionale Begleitung sind keine Methode, damit dein Kind mit seinem Wutanfall aufhört!

7. Hä, ja und was ist mit mir? Du denkst dir “Mein Kind haut mich und was kann ich jetzt tun?”

Ja, du darfst für deine Grenzen einstehen! Ja, du musst es nicht geil finden, wenn dein Kind dich boxt oder deine Einrichtung demoliert!

Es gibt Eltern, die das gut aushalten, wenn das Kind sie wütend boxt. Das musst du aber nicht! Wenn du das nicht willst – dann darfst du das genau SO sagen!

Du darfst und manchmal musst du dich, andere Personen oder Gegenstände schützen!

Was natürlich nicht bedeutet, dass dein Kind dann automatisch damit aufhört – Thema Kognition – you know das jetzt 😉

Bevor du selbst wütend wirst, versuche unperfekte Lösungen!

Halte ein Kissen dazwischen. Nimm Abstand und atme durch! Du kannst auch sagen: Moment, ich muss mich kurz selbst erstmal beruhigen! Oder wenn möglich, bitte jemanden kurz zu übernehmen. Trinke was. Klopfe deine Arme ab! Setze dir körperliche Impulse, damit du im Hier und Jetzt bleibst! ATME!

Bevor du ätzend zu deinem Kind wirst: Leite deine Reaktionsimpulse um, indem du auf den Boden stampfst und mehr für dich als zu deinem Kind sagst “Boa, macht mich das gerade wütend!” Ja, es ist ein echt blödes Kackgefühl, sich so hilflos zu fühlen! Ich sehe dich!

Du musst nicht sing-sang-mäßig im Schneidersitz daneben sitzen und deine eigenen Gefühle verdrängen! Das unterdrücken eigener Gefühle ist der erste Schritt für destruktives Verhalten deinem Kind gegenüber.

Manchmal ist es ganz schön herausfordernd, mit deinen eigenen als “negativ” bewerteten Gefühlen umzugehen. Klar darfst du verärgert oder genervt sein. Wichtig ist dabei, dass du nicht dein Kind dafür verantwortlich machst. Und deinen Frust nicht an ihm auslässt! 

Die meisten von uns haben in ihrer Kindheit keine guten Strategien gelernt, um mit großen Gefühlen umzugehen. Meist weil sie verboten waren. Oder die Angst vor den daraus resultierenden Strafen zu groß war. 

Du darfst also liebevoll mit dir sein. Und Schritt für Schritt neue Wege für dich finden, um mit deinen Gefühlen und den Gefühlen deines Kindes umzugehen!

Versuche dir immer wieder die Mantras von oben ins Gedächtnis zu rufen – dein Kind handelt nicht aus Boswilligkeit! Sondern es hat gerade noch keine andere Strategie parat.

Dich bringt das Verhalten deines Kindes manchmal ganz schön auf die Palme? Dabei willst du viel lieber runter und in der Hängematte ne Kokosnuss schlürfen – mit Schirmchen?

  • Du wünschst dir so sehr, dass du das Verhalten von deinem Kind besser verstehen kannst? Du willst noch mehr an deinen Reaktionen deinem Kind gegenüber arbeiten? Damit du die Wutanfälle von deinem Kind gut begleiten kannst!
  • Du weißt, dass du da jetzt genauer hinschauen willst, damit du nicht mehr denkst: “Boa, nee die Wutanfälle von meinem Kind treiben mich in den Wahnsinn!” 

  • Du weißt, dass du die Veränderung bist für die Verbindung mit deinem Kind! Was für ein Gewinn – du brauchst auf nix hoffen oder warten! Du kannst jetzt einfach loslegen – deinen ersten Schritt gehen!

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Autonomiephase und Wutanfälle von Kindern verstehen

Autonomiephase und Wutanfälle von Kindern verstehen

Die Wut deines Kindes bringt dich auf die Palme? – Was du wissen musst, damit die Autonomiephase leichter zu ertragen ist!

Wenn kleine Kinder wütend werden, ist der Umgang mit diesen Gefühlen für Eltern nicht immer ganz einfach.

Du fragst dich: “Warum wird mein Kind eigentlich wegen so einer Kleinigkeit so wütend? Ich hab die Banane falsch geschält – echt jetzt?”

Jaaa, solche oder so ähnliche Situationen kennst du bestimmt auch 😉 Um zu verstehen, warum Kinder wegen “Kleinigkeiten” so wütend werden und warum solche Situationen (insbesondere in der Autonomiephase und auch danach) keine Kleinigkeiten sind, solltest du folgendes wissen:

  • Die Autonomiephase beginnt ab etwa einem Jahr:

Wobei das ist natürlich individuell ist. Manche Kinder beginnen mit 9 Monaten bereits sehr selbständig und willensstark zu werden. Andere warten mit diesem Entwicklungsschritt bis nach dem 1. Geburtstag.

Aber letztlich ist diese sogenannte Autonomiephase (die leider immer noch viel zu oft als Trotzphase abgetan wird) eine der wichtigsten Entwicklungsphasen überhaupt in der Menschwerdung. Ohne diese Phase zu durchlaufen, könnte kein Mensch als Erwachsener zurechtkommen – ist wirklich so!

Denn mit dem Beginn der Autonomiephase wird ein, bis ins Jugendalter voranschreitender Prozess eingeläutet. Es geht nämlich um nichts weniger als die emotionale Entwicklung eines Menschen. Konkret:

      • Gefühle erleben: Durch Situationen mit Gefühlen in Kontakt kommen.
      • Gefühle erkennen: Durch Begleitung einer erwachsenen Person Erfahrungen mit Gefühlen machen. “Ah, so fühlt sich Traurigkeit an”
      • Gefühle benennen: Worte dafür kennenlernen um langsam selbst in die Lage zu kommen, die eigenen Gefühle beim Namen zu nennen. “Ich weiß, dass das Trauer ist und kann das auch sagen”.
      • Gefühle integrieren: “Ich habe gute Erfahrungen gemacht, wie ich mit Gefühlen umgehen kann.”
      • Gefühle regulieren: “Ich weiß, dass ich gerade traurig und enttäuscht bin. Ich kann selbst beeinflussen, wie ich damit umgehe, ohne dass meine Emotionen mich total überwältigen.”

Letztlich begleitet uns dieser Prozess dann auch noch bis ins Erwachsenenalter. Denn wir werden im Leben immer wieder mit neuen Situationen und Gefühlen konfrontiert sein.

Der Grundstein, wie wir damit umgehen können und wie gut unser eigenes Gespür für unsere Gefühle und der Umgang damit ist, wird jedoch in der frühen Kindheit gelegt.

  • Die Gehirnentwicklung: Die emotionale Entwicklung passiert im Gehirn viel schneller als die kognitive Entwicklung.

Das Gehirn deines Kindes lebt sozusagen in Gefühlen. Und zwar ohne dass es diese Gefühle irgendwie selbst steuern oder regulieren kann. Sie sind einfach da. 

Und manchmal kann das ein richtiger Cocktail an Gefühlen sein: Trauer, Schmerz, Wut- alles auf einmal. Für dein Kind ist das ordentlich überflutend – und mega anstrengend by the way. Das wird oft vergessen, wenn wir Eltern uns so angestrengt davon fühlen. Für dein Kind ist es da noch viiiel mehr.

Und: Je jünger dein Kind ist, um so weniger Zugriff hat es auf seine “Kognition”. Also alles, was sich mit Vernunft und durch Verstehen erfassen lässt. Dazu gehören z.B. zeitliches Denken, Abfolgen bzw. Reihenfolgen, Logik…

Große Gefühle und fehlende Kognition können eine ziemlich explosive Mischung sein.

Einerseits eine Flut von Gefühlen, die dein Kind überwältigen und die es nicht mit Begriffen benennen kann (versuch mal im Urlaub in einer dir fremden Sprache zu erklären, dass du gerne eine grünen Hosenknopf haben möchtest. Und nein niemand spricht dort englisch 😉 So ungefähr fühlt sich das für dein Kind an, weil dein Kind noch keine Worte für seine Gefühle hat. Dafür braucht es dich und viel Übung.

Andererseits hat dein Kind keine Möglichkeit beispielsweise zu denken “Ah, warte mal. Die Banane ist jetzt komisch geschält. Da liegt noch eine, die schmeckt genau so. Dann esse ich halt diese.”

Stattdessen explodiert dein Kind und eure Welt steht Kopf.

  • Was passiert also konkret, wenn dein Kind wütend wird?

Nehmen wir mal an, dein Kind hat ne tolle Idee. Ja, das wird in der Autonomiephase immer und immer wieder vorkommen – es geht schließlich darum, dass dein Kind autonom, also selbständig wird. Es entdeckt sich als eigenständiger Menschen mit eigenen hyper-tollen super krassen Ideen, die es natürlich umsetzen will. 

DENN: Dein Kind hat aufgrund der fehlenden bzw. wenigen Kognition keine Möglichkeit, von seinem Plan abzurücken und umzuplanen. Weil dafür wäre z.B. zeitliches Denken nötig. “Ok, geht grad nicht. Machen wir dann später.”

Sagen wir mal: Es will genau jetzt einen Kuchen backen!

“Wenn du nun jedoch sowas sagst wie “Nein, das klappt jetzt gerade nicht. Das können wir am Nachmittag machen”, dann ist dein Kind urplötzlich in großer Not.

Das Dilemma: Zwei unterschiedliche Interessen oder Bedürfnisse prallen aufeinander.

Der Plan den dein Kind hat geht nicht auf. Es kann nicht umplanen. Es fühlt sich ohnmächtig und seine eigene kleine Welt bricht gerade völlig in sich zusammen. 

Dann kommen die Emotionen hinzu z.B. die Trauer und der Schmerz, dass es jetzt seinen Plan nicht in die Tat umsetzen kann. Und dein Kind fühlt sich wie gefangen in diesem Schmerz. Wird davon komplett überflutet und es geht: Nichts mehr! Rein garnichts! Totaler Error!

Oft ist es dann so, dass dein Kind zu allem – egal was du anbietest – einfach nur noch “Nein!!” sagen kann. Egal wie verlockend deine Idee ist. 

Denn, wie oben geschrieben: Keine Möglichkeit umzuplanen heißt dann einfach: “Nein zu allem!”

Die Reaktionen fallen da je nach Temperament unterschiedlich aus. Von weinen, schreien, sich auf den Boden werfen, um sich schlagen, auf dich losgehen bis hin zu Dinge zerstören, … das ist alles im absoluten Normalbereich für Kinder, die von ihren Gefühlen überflutet sind! 

Auch wenn es echt anstrengend und herausfordernd sein kann, solche Wutanfälle beziehungsorientiert und in Verbindung zu begleiten.

Leider wird dieses ganz normale und natürlich Verhalten von Kindern, trotz mittlerweile weit verbreitetem Wissen über die Autonomiephase, als Trotz wahrgenommen.

Den Kindern wird unterstellt, sie tun das mit Absicht. Um zu manipulieren und zu tyrannisieren. Um ihren Willen durchzuboxen und den Erwachsenen auf der Nase herum zu tanzen! Was natürlich absoluter Quatsch ist!!

Diese Phase gehört zum Bauplan der Natur dazu. Kein Baby kommt auf die Welt, um schon total gechillt mit nem Jahr zu sagen: “Ey Mama, du Papa, kommt grad nicht so cool, dass wir jetzt vom Spielplatz heim müssen. Ich hab grad so viel Spaß und bin total traurig, wenn ich jetzt mitkommen muss!” Stell sich das mal einer vor!

Also nein, haut so nicht hin. Auch wenn es echt verdammt anstrengend sein kann – I feel you soooo much!! Durch die Autonomiephase musst du mit deinem Kind durch. Die Ausprägung, wie doll euch diese Phase durchrüttelt, hängt von der Persönlichkeit deines Kindes ab (und natürlich auch von deiner 😉

Aber musst du jetzt befürchten, dass dein Kind zum unsozialen Tyrannenkind wird? Musst du dein Kind nicht dazu erziehen, dass es nicht ständig seinen Willen haben kann? 

Für diesen Artikel halte ich es kurz: Zweimal Nö 😉 Du darfst da sein für dein Kind. Ohne in seinem Verhalten etwas Böses zu sehen, das richtig hinerzogen werden muss. Sondern du darfst die Not, in der es gerade ist begleiten.

Du willst dazu noch mehr wissen?

Wie du dich verhalten sollst, wenn dein Kind so außer sich ist? Und wie du mit der Autonomiephase entspannter umgehen kannst?

Darum wird es im nächsten Blog-Beitrag gehen! Trage dich am Besten unten in meinen Newsletter ein und der Artikel kommt ganz automatisch in dein Postfach geschwebt.

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